Schulhund Nico

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Mit 8 Wochen kam mein blonder Hovawart Attila aus dem Steingarten, genannt Nico(*24.9.2006) zu mir. Es ist bereits mein zweiter Hovawart, Annika vom Hause Degro, genannt Jara, lebt inzwischen bei meinem Sohn.
Seit 2004 bin ich Schulleiterin am Deutschorden-Gymnasium in Bad Mergentheim und die wachsenden Probleme auch an dieser Schulart mit unruhigen, unkonzentrierten und vor allem zu ihren Mitschülern rücksichtslosen Schülerinnen und Schülern brachten mich dazu, verstärkt im Internet nach pädagogischen Möglichkeiten zu suchen. Und so kam ich für meine Schule, kurz das DOG genannt, auf den Hund, zumal ich beobachtet hatte, wie Nico sich im Kreis von Kindern verhielt und wie sich Kinder bei der Anwesenheit von Nico verhielten.
Zugrunde lag meiner Idee die langjährige Beobachtung, dass es Schüler/innen(zunehmend) schwerer fiel, sich auf ihre Klassenkameraden einzustellen, z.B. Rücksicht zu nehmen. Sie stellen sich stattdessen selbst in den Mittelpunkt. Oft erfahren sie dabei vom Elternhaus noch Unterstützung. Dies ist nicht nur ein pädagogisches Problem, sondern berührt auch alle Bereiche des Lernens. Gerade am Gymnasium ist der Lernerfolg gefährdet, wenn Schüler/innen nicht teamfähig sind, sich nicht eingliedern und konzentrieren oder offenen Unterrichtsformen nicht folgen können.
Bloßes Ermahnen oder gar Strafen führt da oft zu keiner Verhaltensänderung. Eine kreative Lösung ist gefragt. Ein pädagogisches Mittel, durch das die Kinder das gewünschte Verhalten erlernen können.
Seit Jahren ist bekannt und dokumentiert, dass der Einsatz von Tieren (z.B. Delfintherapie oder therapeutisches Reiten) zu Verhaltensänderungen führt. Da speziell Hunde zu Menschen eine besonders enge Beziehung aufbauen können, eignet sich ihr Einsatz zur Förderung von Sozialverhalten und Emotionalität, Motivation und Kommunikation oder Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein. Untersuchungen haben gezeigt, dass nach dem Einsatz oder durch den Einsatz eines Hundes im Unterricht Schüler lieber zur Schule gehen, Außenseiter aus der Isolation geholt werden können, Auffälligkeiten sich reduzieren und Sozialkontakte positiv gefördert werden.
Selbstverständlich muss solch ein Schulhund bestimmte Eigenschaften mitbringen (Friedfertigkeit, Geräuschresistenz, keinen Beiß- oder Jagdtrieb usw.) und professionell trainiert worden sein. Das bezieht auch die Lehrkraft als Hundehalter/in mit ein. Sie muss sich, während sie den Unterricht gestaltet, stets auf ihren Hund verlassen können. Nach einem Jahr der Eingewöhnung an das Gebäude und die vielen Menschen (über 750 Schüler und mehr als 60 Lehrer)und einer grundlegenden Ausbildung durch mich, die mit einer Prüfung abgeschlossen wurde, ist Nico als Schulhund eingeführt. Wie wird also mein Hund am DOG eingesetzt?
Im engeren Sinne kann er die Begegnung mit einem Haustier darstellen (z.B. in Biologie oder in einer Grundschulklasse). In diesem Zusammenhang würde ich ihn als Schulbesuchshund bezeichnen. Im weiteren Sinne, dem pädagogischen Einsatz, vermittelt er den Kindern Gefühle wie Empathie, Echtheit oder Wärme. Interessant sind auch Erfahrungen mit nonverbaler Kommunikation. Es baut sich individuell und sozial etwas auf: mit dem Hund und durch den Hund.
Meine Erfahrungen sind bei offenen Unterrichtsformen besonders positiv. Die Schüler/innen übernehmen durch die Anwesenheit des Hundes, die sie sich wünschen und die sie genießen, Verantwortung für sich und ihr eigenes Verhalten im Unterricht. Während eines Versuchs in einer Klasse 6 konnte ich feststellen, dass die Klasse, die zuvor mit Gruppenarbeit Schwierigkeiten hatte, nun während des Schulhundeinsatzes (8 Doppelstunden) sehr effektiv arbeitete, obwohl oder gerade weil die Schüler/innen zwischendurch immer wieder die Möglichkeit hatten, meinen Hund zu streicheln. Und auch das: Sie wirkten nach dem Unterricht irgendwie „glücklicher“.
Ich setze Nico bei Vertretungsstunden ein, die ich für erkankte Kollegen übernehme. Die Kollegen haben Arbeitsmaterial vorbereitet, mit dem die Schüler in offenen Unterrichtsformen den Stoff selbst erarbeiten, der Lehrer, in dem Fall ich, ist Helfer und Berater. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Schülerinnen und Schüler in den Stunden, in denen ich Nico mitbringe, sehr ruhig und konzentriert arbeiten, um Nico nicht zu stören und andererseits sehr zielgerichtet und effektiv arbeiten, damit sie Zeit haben, Nico zu streicheln, wenn er vorbeikommt. Dabei funktioniert das nicht nur in Klassen der Unterstufe, sondern auch bei Abiturienten.
Da ich am Gymnasium und als Schulleiterin keinen Klassenhund einsetzen kann, wird Nico in verschiedenen Klassen eingesetzt. Um ihn nicht zu überfordern, begrenze ich die Zahl der Stunden pro Tag und die Zahl der Klassen pro Monat. Außerdem wird er täglich von einem Gassi-Geh-Service abgeholt, der mit ihm und anderen Hunden knapp zwei Stunden spazieren geht. Dadurch ist immer gewährleistet, dass Nico auch soziale Kontakte zu anderen Hunden hat.
Nico nimmt seine Arbeit in der Schule sehr ernst. Sein Revier ist außerhalb von Vertretungsstunden das Rektorat und Sekretariat. Er liegt in meinem Zimmer, wenn ich Gespräche führe. Dabei habe ich beobachtet, dass er sich immer zu den Personen liegt, die im Gespräch in einer schwierigen Position sind.
Auch in den Klassen legt er sich, wenn eine ruhige Arbeitsatmosphäre eingetreten ist, immer zuerst zu den Schülern, denen es nicht so gut geht, vielleicht weil sie eine schlechte Note zurückbekommen haben oder weil sie in der Klasse ausgegrenzt werden. In einer 6. Klasse setzten sich nach drei Wochen andere Kinder zu einem Mädchen, neben dem vorher niemand sitzen wollte, weil Nico im Unterricht immer bei ihr lag. Die Sitzordnung wurde nach Nicos Einsatz beibehalten.
Natürlich gibt es auch in einer Schule Menschen, die Tiere und speziell Hunde nicht mögen oder sogar Angst vor ihnen haben. Sie müssen sich nicht mit Nico auseinandersetzen, können es aber, wenn sie sich trauen. Es gibt schon einige Schüler, die inzwischen ihre Angst verloren haben.
Nico und ich arbeiten bei "Kind und Hund" mit.

Nico 279.jpgNico.jpg IMG 0790.JPG Präventionsunterricht im Kindergarten DSC 1059klein.jpg im Unterricht (Foto: Arno Boas, FN)