Göing

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Anna Franziska Göing

„Die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Tieren im Rahmen der Tiergestützten Pädagogik an Schulen für lernbeeinträchtigte Kinder – unter besonderer Berücksichtigung der Erfahrungen mit Schulhunden“

(Hausarbeit zur ersten Staatsprüfung für das Lehramt für Sonderpädagogik an der Universität Hannover)


Mensch-Tier-Beziehung

In unserer Geschichte wird eine enge Verbundenheit zwischen Mensch und Tier deutlich. Heute allerdings findet eine wachsende Entfremdung des Menschen von der Natur statt und die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist häufig sehr ambivalent. Die Biophilie-Hypothese geht davon aus, dass eine besondere Verbundenheit vom Menschen zur Natur in der Evolution angelegt wurde und diese Beziehung dem Körper die Chance gibt gut zu funktionieren. Menschen und höhere Tiere können miteinander Beziehungen im Rahmen von Freundschaft oder Partnerschaft eingehen, was die Voraussetzung für die Tiergestützte Therapie / Pädagogik ist. Die Mensch-Tier-Beziehung ist nur schwer wissenschaftlich zu überprüfen, deshalb besteht sie bisher überwiegend aus praxisorientierten Beobachtungen und Fallstudien. Alle wissenschaftlichen Disziplinen gehen aber von der Vermutung aus, dass es Gruppen gibt, die vom Umgang mit Tieren profitieren. Sie haben eine vielfältige Wirkung auf die Physis, fördern das seelische Wohlbefinden des Menschen, haben eine positive Wirkungen im sozialen Bereich, regen zum Lernen an und erbringen vielfältige Serviceleistungen.


Tiergestützte Pädagogik

Die freie Begegnung mit einem Tier wirkt sich positiv auf die Lebensqualität des Menschen aus, deshalb hat sich in den letzten 5 Jahren die Zahl der Institutionen verdoppelt, die tiergestützt arbeiten. Konzepte, die besondere Wirkungsaspekte von Tieren für die Heilung, Förderung und Unterstützung von beeinträchtigten Menschen einsetzen, sind bereits seit dem 8. Jahrhundert bekannt. In den 60er Jahren wurde darauf aufbauend der Begriff „tiergestützt“ geprägt, bei dem heute die Animal Assistend Activity, Animal Assistend Therapy und Animal Assistend Education unterschieden wird. 99% aller Kinder haben irgendwann einmal den Wunsch nach einem Tier, der auf einem natürlichen Interesse und einer positiven Grundhaltung beruht. Es ist belegt, dass das Tier als Vermittler wesentlich zu einer positiven Persönlichkeitsentwicklung beiträgt.


Die Förderschule für Kinder mit einer Lernbeeinträchtigung

Hier wird davon ausgegangen, dass Behinderung nichts Absolutes ist, sondern die Bedingungen und Erwartungen der Gesellschaft sie verursacht. Dies gilt in besonderem Maße für Lernbeeinträchtigungen. Die Entwicklung von LB-Schülern ist überwiegend in frühen Lebensjahren beeinträchtigt worden. Sie sind häufig nicht deutscher Herkunft, ihre Eltern sind oft arbeitslos und die Schule ist negativ besetzt. Die sonderpädagogische Förderung soll die Schüler darauf vorbereiten ihr späteres Leben weitgehend selbständig zu bewältigen und ihre Gesamtpersönlichkeit zu stärken. Eine anregende Gestaltung des Schullebens und eine entspannte Lernatmosphäre sollen dazu beitragen. Kinder erfahren Realität oft nur noch über elektronische Medien und dies geht einher mit mangelnder Aktivität, Naturerfahrung und Bewegung. Es fehlt durch die neuen Familienkonstellationen häufig das familiäre Übungsfeld für die emotionale und soziale Entwicklung. Sie ist aber ausschlaggebend für ein effektives Lernen und so muss die Schule neben einer Wissensvermittlung diese Bereiche massiv fördern.


Der Hund in der Tiergestützten Pädagogik

Der Hund ist eines der ältesten und beliebtesten Haustiere. Ein Grund hierfür ist darin zu sehen, dass er sehr gemeinschaftsfähig ist und die Beziehung zu ihm einer zwischenmenschlichen sehr nahe kommen kann. Hunde können Pädagogen deshalb bei ihrer schwierigen Arbeit sinnvoll und effektiv unterstützen, indem sie als soziale Katalysatoren fungieren und emotionale und soziale Kompetenzen trainieren. Sie haben keine Vorurteile, sind optimale Zuhörer und trainieren die nonverbale Kommunikation. Außerdem ermöglichen sie die Befriedigung vielfacher menschlicher Grundbedürfnisse und haben somit große Bedeutung für die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit eines Menschen.


Der Schulhund

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Schulhund, der regelmäßig zur pädagogischen Unterstützung des Lehrers im Unterricht eingesetzt wird. Dabei handelt es sich überwiegend um eine freie Interaktion zwischen dem Hund und den Schülern, bei der allerdings Grundregeln eingehalten werden müssen. Durch gelenkte Interaktionen können pädagogische Prozesse auf vielfältige Weise zusätzlich unterstützt werden. Nicht alle Schulhunde sind gleich, aber fast alle wurden privat von den Lehrern angeschafft und werden auch von ihnen finanziert. Die meisten wurden von den verschiedenen Schulgremien befürwortet und 2/3 arbeiten nur mit ihren Besitzern im Team (Team Lehrer-Hund). 2002 wurde in den Medien viel über die Schulhündin Jule berichtet, die regelmäßig Bernd Retzlaff in die Schule begleitete. Kurze Zeit später belegte Brita Ortbauer in einer Untersuchung in Wien die positive Auswirkung von Hunden auf die soziale Integration von Schülern. Über die Schulhunde Tinte, Kira, Caya-Luna und Sandy wird ausführlicher berichtet, da auf sie später noch einmal eingegangen wird. Grundbedingungen eines Schulhundes werden erläutert und auf die fehlenden Standards für ihre Ausbildung hingewiesen. Auch viele Schulstrukturen müssen stimmen, um ein weitgehend stress- und risikofreies Arbeiten mit dem Hund zu ermöglichen. Die Dissertation von Andrea Vanek-Gullner beschreibt ihr Konzept zur Tiergestützten Heilpädagogik und evaluiert es.


Empirischer Teil

Hier geht es um die schriftliche Erhebung mit Hilfe von Fragebögen in 5 Schulklassen, ihre Auswertung und Interpretation. Die Schwerpunkte sind die Wirkung des Hundes auf die Schüler, die persönliche Beziehung zum Hund, die Affinität zum Tier und Wünsche zur Projektdauer. Die Ergebnisse bei den Schülern sind auf Grund der unterschiedlichen Hunde, der unterschiedlichen Projektdauer und der sehr unterschiedlichen Altersstruktur nur schwer vergleichbar. Es ist davon auszugehen, dass ein Hund umso unattraktiver wird, je länger er in einer Klasse ist. Außerdem ist ein Hund für die meisten jüngeren Schüler scheinbar attraktiver als für ältere.


Fazit

Durch die Arbeit mit Schulhunden können viele gute Entwicklungen in der Schule eingeleitet werden. Es müssen aber auch vielschichtige Grundbedingungen erfüllt werden, um einen Hund erfolgreich einzusetzen und es gibt kein allgemein gültiges Konzept Schulhund.